Die Angst vor der Liebe
Shownotes
In Folge 7 beginnt Claudia Redlhammer eine dreiteilige Reihe über Angst und Liebe. Themen dieser Folge sind die Café-Szene und der Reflex, die Hand wegzuziehen. Warum die Angst vor Liebe keine Krankheit ist, auch wenn die Psychologie den Begriff Philophobie kennt. Was wohlstandsverwahrlost bedeutet und wie Liebe in einer Sprache ankommen kann, die man als Kind nicht versteht. Die zwei Sätze aus Claudias Kindheit, die bis heute in ihr nachklingen. Wie Kinder lernen, die Mimik der Erwachsenen zu lesen, um Sicherheit zu finden. Die Bindungsforschung von John Bowlby aus dem Jahr 1969 und Mary Ainsworth, ergänzt durch Cindy Hazan und Phillip Shaver aus dem Jahr 1987. Stefanie Stahls Bild vom Schattenkind als Sprachhilfe. Eine Einladung, hinzuspüren statt zu erklären. Ausblick auf die nächste Folge: Die Angst, nicht geliebt zu werden. Der alte Satz, ich bin nicht gut genug, so wie ich bin. Und die Frage, wie wir ihm seine Macht nehmen können.
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00:00:03: Herzlich willkommen in meinem Fühlraum.
00:00:06: Mein Name ist Claudia Riedelhammer und ich freue mich sehr, dass du heute wieder hier bist!
00:00:11: Am Ende der letzten Folge habe ich dich gebeten mir zu schreiben, mir zu sagen welches Thema ich als nächstes für dich fühlbar machen darf.
00:00:20: In über hundert Mehls ist mir klar geworden es ist die Angst, die ihr beleuchtet haben wollt Die Angst die sich mit der Liebe in unser Leben schleicht.
00:00:29: Denn wer liebt Wer sein Herz für einen anderen Menschen öffnet, läuft nun einmal Gefahr verletzt zu werden.
00:00:37: Bevor ich dir erzähle warum es heute geht möchte Ich gemeinsam mit Dir kurz innehalten.
00:00:44: Vielleicht sitzt Du gerade im Auto vielleicht bist du Zuhause auf der Couch Vielleicht gehst Du gerade irgendwo spazieren Wo immer Du bist.
00:00:53: Atme tief ein und wieder aus.
00:00:59: Noch einmal tief einatmen Und lange wieder ausatmen.
00:01:06: Gut, jetzt bin ich bei dir.
00:01:10: Heute beginnt eine neue Reihe – drei Folgen die zusammengehören, drei Ängste, die mit Liebe zu tun haben und die mir aus euren Mehls am stärksten entgegengeklungen sind, die Angst vor der Liebe ,die Angst es nicht wert zu sein geliebt zu werden und die Angst die Liebe wieder zu verlieren.
00:01:31: Drei Schichten, drei Bewegungen derselben Angst.
00:01:36: Heute bleiben wir bei der ersten Schicht, bei der Angst vor der Liebe.
00:01:42: Ich möchte dich an einen Ort mitnehmen!
00:01:45: Stell dir ein Kaffee vor Nachmittag.
00:01:48: Die Sonne fällt schräg durchs Fenster Kaffeetassen klären leise.
00:01:52: Irgendwo im Hintergrund lacht jemand.
00:01:56: Du sitzt mit einem Menschen an einem kleinen Tisch Einen Menschen, der dir etwas bedeutet.
00:02:03: Ihr redet überall tägliches Nichts besonderes Und dann legt dieser Mensch fast beiläufig seine Hand auf deine.
00:02:14: In dem Moment, in dem diese Hand dich berührt, passiert etwas in dir – etwas Flüchtiges, etwas das von außen niemand sehen würde.
00:02:24: Deine Schulter zieht sich leicht zusammen, dein Atem wird flacher und irgendwo in deinen Bauch entsteht der Reflex, deine Hand wegzuziehen!
00:02:34: Du weißt nicht warum?
00:02:36: Du magst diesen
00:02:37: Menschen.".
00:02:38: Du willst seine Nähe.
00:02:40: Du hast dir seine Nähen vielleicht schon lange gewünscht, und trotzdem zuckt er etwas in dir
00:02:46: zurück.".
00:02:48: Und das ist die Angst vor der Liebe!
00:02:52: Sie ist leise, fast behutsam – sie zeigt sich nicht im großen Rahmen sondern in kleinen körperlichen Bewegungen, die du oft selbst nicht wahrnimmst und schon gar nicht verstehst.
00:03:04: Ich weiß nicht ob du genau diesen Moment kennst….
00:03:08: Bei dir ist es vielleicht ein anderer, das kurze Zögern an den Nachricht sofort zu beantworten.
00:03:14: Die leise Erleichterung wenn entdeht abgesagt wird, dass innere wegdrehen, wenn jemand dir zu direkt in die Augen seht.
00:03:24: Wenn dir gerade beim Zuhören irgendwas weh tut.
00:03:28: Wenn dein Atem sich verändert?
00:03:30: Wenn etwas in dir ja sagt Dann möchte ich dir eines sagen Du bist damit nicht allein.
00:03:39: Das ist der Stoff aus dem diese Folge gemacht ist.
00:03:43: In der Psychologie wird diese Angst manchmal Philophobie genannt, ein sperriges Wort.
00:03:49: Ich verwende es nicht gerne.
00:03:51: Es klingt nach Diagnose und die Angst vor der Liebe ist keine Krankheit.
00:03:56: Sie isst eine Spur in uns Die Spur von etwas das einmal nicht sicher war.
00:04:03: ich möchte dir jetzt etwas aus meinem eigenen Leben erzählen weil ich sonst zu sehr im Allgemeinen bleibe nicht allgemein ist.
00:04:13: Ich bin in einem Haus aufgewachsen, indem es finanziell an nichts gefehlt hat.
00:04:19: Meine Mutter und meine Großmutter haben mich mit den schönsten Kleidern ausgestattet.
00:04:24: ich bekam das schönste Fahrrad und später eine funkelnadlich neue Vespa.
00:04:30: Geschenke gab es zu jedem Anlass Und manchmal auch ohne Anlass.
00:04:35: Diese Geschenken haben sich oft seltsam angefühlt Als ich älter wurde.
00:04:39: er kannte Es fühlte sich für mich an wie Schweigegeld oder Bestechungsgeld.
00:04:46: Als würde ich mit Geschenken dafür belohnt, brav zu sein – angepasst!
00:04:51: Und das lag mir nicht und sogar bis Schläge, Liebesentzug….
00:04:56: Meine Mutter liebte es, mich tagelang im Schweigen- und Ignoranzzustrafen wenn ich mal wieder zu laut und unbequem war.
00:05:04: In meiner Ausbildung zum Coach erkannte ich alles ganz klar und habe ein Wort für mich dafür
00:05:10: gefunden."
00:05:11: für mein Aufwachsen.
00:05:13: Ich war Wohlstandsverwalost, so wie viele Kinder aus reichem Hause.
00:05:18: Das beschreibt eine Kindheit in der ein kind emotional Verwalost aufwächst obwohl materieller Wohlstand da ist.
00:05:27: Wohl stand's verwalost das klingt hart aber es beschreibt genau was ich meine und was sich gefühlt habe.
00:05:36: Ich hatte alles nur nicht dass was ich gebraucht hätte.
00:05:40: Die Liebe kam in Form von Dingen getarnt als Geschenke.
00:05:44: Nur Geschenken waren nicht meine Sprache, denn wonach ich mich sehnte war Zärtlichkeit, liebevolle Worte, warme
00:05:52: Blicke.".
00:05:55: Ich weiß nicht ob du dich an die Folgen erinnerst, in denen wir über die Sprachen der Liebe gesprochen haben.
00:06:01: Geschenk sind eine davon – eine sehr schöne!
00:06:04: Aber wenn Geschenki nicht deine Sprache sind dann fühlst du diese Liebe nicht auch wenn jemand sie dir schenkt?
00:06:12: Ich habe die Liebe meiner Mutter und Großmutter nicht gehört, nicht gesehen, niemals gespürt.
00:06:20: Nicht weil sie nicht da war sondern weil sie in einer Sprache kamen, die ich nicht verstanden habe.
00:06:26: Und dann waren noch zwei Sätze.
00:06:29: Sätze, die gefühlt mein ganzes Leben lang wie ein Echo in mir klingen.
00:06:33: Zwei Sätze ,die mich durch meine Kindheit begleitet haben.
00:06:37: Ich hebe sie heute ungern hoch aber wir sind hier.
00:06:41: um ehrlich zu sein Ehrlichkeit ist unumgänglich, wenn du verstehen willst was da in dir arbeitet.
00:06:50: Meine Mutter hat sehr oft zu mir gesagt Gott sei Dank bist Du schön Denn Deinen Charakter kann niemand leben.
00:06:59: Ich war stets zu laut Zu frech Zu rebellisch Zu wild Niemals bereit mich anzupassen Der Helfen keine Strafen Kein Anschreien Keine Schläge Kein Schweigen.
00:07:13: Gott sei Dank bist du so schön, denn deinen Charakter kann niemand lieben.
00:07:19: Was macht so ein Satz mit einem kleinen Mädchen das geliebt werden will?
00:07:23: Gesehen werden will gehört Beschützt umarmt Gestreichelt Du ernst es vielleicht?
00:07:31: Es gibt zwei Wege Entweder lernt dieses Mädchen sich anzupassen und wird für sein Umfeld endlich liebenswert oder Oder es geht, so wie sie in meinem Fall war, in die andere Richtung.
00:07:47: Dieses Mädchen wird noch wilder, noch lauter, noch präsenter, noch rebellischer und bekommt damit noch weniger von dem was es braucht – nämlich noch weniger Liebe!
00:08:00: Meine Großmutter, die mich aufgezogen hat, war meist überfordert mit diesem wilden Mädchen.
00:08:06: Sie hat versucht mich zu brechen Und oft zu mir gesagt jeder Strauch ist zu biegen aber dich Dich müsste man verbrennen.
00:08:16: Diese Sätze sitzen bis heute in mir, nicht jeden Tag aber an manchen Tagen Wenn das Licht bestimmt fällt wenn jemand mich anschaut ohne etwas zu sagen wenn ich einmal wieder zu laut bin zu direkt und die Stille danach so lang wird dann sind sie wieder da ganz leise also werden Sie nie weg gewesen.
00:08:40: Gott sei Dank bist Du so schön Denn deinen Charakter kann niemand leben.
00:08:46: Jeder Strauch ist zu biegen, aber dich.
00:08:50: Dich müsste man verbrennen!
00:08:54: Ein Kind, das solche Sätze hört, macht etwas ganz Logisches.
00:08:57: Es fängt an die Mimik der Erwachsenen zu lesen.
00:09:00: Es schaut wann die Augenbraue zuckt Wann der Atemkürzer wird Wann das Lächeln so fest ist Wann es mit einem bösen Blick bestraft wird.
00:09:10: Es lernt, aus jedem kleinen Zeichen abzulesen ob die Liebe heute gerade noch da ist oder eben nicht.
00:09:19: Und dieses Kind wird groß und sitzt irgendwann im Café und spürt eine Hand auf der eigenen Hand – und die Hand zog zurück weil das Kind in ihr nicht gelernt hat dass Nähe sicher ist!
00:09:36: Das Menschen, diese Angst zu unterschiedlich leben ist keine neue Beobachtung.
00:09:41: Die Bindungsforschung begleitet uns seit Jahrzehnten.
00:09:45: John Bolby, britischer Kinderarzt hat aus dem ersten Mal bestreben, was in uns passiert wenn frühe Nähe nicht sicher war.
00:09:56: Seine Kollegin Mary-Anne Swarth hat das wenige Jahre später in der sogenannten Strange Situation an kleinen Kindern sichtbar gemacht Und Cindy Hassan und Philipp Schäber haben in den Siebenundachtzig gezeigt, dass dieselben frühen Muster bis in unsere Liebesbeziehungen hineinreichen.
00:10:16: Das sind keine Meinungen – das sind Jahrzehnte von Studien!
00:10:22: In der Coaching-Literatur findet sich das was diese Forscher beschrieben haben auf den einfacheren Bildern wieder.
00:10:29: Stefan Istal spricht vom Schattenkind.
00:10:32: Von dem Teil in uns, der die alten Sätze die alten Bilder, die alten Ängste mit sich trägt.
00:10:39: Der Teil der am Café zurückzuckt!
00:10:42: Ich möchte dich jetzt einladen einen Moment ganz bei dir selbst zu sein.
00:10:48: Denk an eine Beziehung, die dir nahe ist.
00:10:51: Eine Liebesbeziehung?
00:10:54: Eine Freundschaft?
00:10:57: Eine Familienbeziehungen?
00:11:00: Gibt es dort einen Punkt, an dem Nähe dir eng wird?
00:11:04: Eine bestimmte Geste, die etwas in dir auslöst?
00:11:08: eine Umarmung vielleicht, die du nicht willst.
00:11:12: Eine bestimmten Blick vor dem du den Kopf wegdrehst ein Gefühl von Beschämung vielleicht oder Schuld?
00:11:22: Wenn du jetzt etwas in dir spürst Vielleicht ein Ziehen in der Brust einen Kloß im Hals Schultern, die schwerer werden Dann bleib kurz bei diesem Gefühl Halte es aus Nimm es an.
00:11:37: Es gehört zu dir schon ganz lange Denn Gefühle wollen nur eines.
00:11:44: Sie wollen gefühlt werden.
00:11:46: Geh, fühle!
00:11:48: Geh hin und fühle.
00:11:50: Du musst nichts tun Nur hinspüren Zulassen.
00:11:56: Das was du da spürst ist nicht dein Versagen.
00:11:59: Es ist deine Geschichte die mit dir spricht Und die sich fühlbar macht.
00:12:04: Und mach dir bewusst Die Angst vor der Liebe kommt nicht aus dem Nichts.
00:12:10: sie ist kein Charakterfehler Sie ist keine Schwäche.
00:12:14: Sie ist kein Zeichen dafür, dass du für Beziehungen ungeeignet wirst.
00:12:20: Sie isst eine Spur – die Spur von Menschen, die einmal nicht da waren als du sie gebraucht hättest.
00:12:27: Die Spur vom Setzen, die in dir zu einer inneren Wahrheit über dich selbst geworden sind!
00:12:34: Die Spuren vom Blicken, die dich etwas haben spüren lassen, das du nie hättes spülen dürfen… die dich irgendwann zu der Gewissheit führte, du bist nicht richtig so wie du bist.
00:12:49: Und das Gute daran ist, dass eine Spur eben nicht das ganze Bild ist.
00:12:55: Es ist nur ein Teil davon.
00:12:57: Daneben ist Platz für alles andere.
00:13:01: In der nächsten Folge gehen wir eine Schicht tiefer in das Resultat der Angst vor der Liebe über die wir heute gesprochen haben.
00:13:10: Dann geht es um die Angst nicht liebenswert zu sein.
00:13:14: Schlichtweg ist nicht wert zu sein, geliebt so werden.
00:13:18: Denn da kommt die Angst vor der Liebe her!
00:13:21: Um den alten Satz Ich bin nicht gut genug So wie ich bin Und um die Frage Wie wird diesem Satz seine Kraft Seine Bedeutung Seine Macht Seine hässliche Fratze nehmen können?
00:13:37: Wir bleiben zusammen.
00:13:39: Ich freue mich wenn du auch beim nächsten Mal wieder dabei bist Mit mir in meinem Füllraum.
00:13:46: Danke, dass du heute wieder mit mir warst!
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