Die Angst, nicht geliebt zu werden
Shownotes
In Folge 8 vertieft Claudia Redlhammer den zweiten Teil ihrer Trilogie über Angst und Liebe. Themen dieser Folge sind die Frühstücksszene und das Lesen von Mimik als Wertmesser. Warum manche Menschen ihren Selbstwert ausschließlich an der Reaktion des anderen ausrichten. Claudias erste Ehe mit 18 und der innere Satz, der sie immer kleiner gemacht hat. Die Forschung von Ulrich Orth und Richard Robins aus dem Jahr 2014 zur Stabilität des Selbstwerts über die Lebensspanne. Robert Betz und der Gedanke, dass die Liebe, die wir als Kind nicht bekommen haben, nicht im Außen einzufordern ist. Der konstante Satz von Georg über Jahre und warum Bestätigung allein nicht heilt. Mario Mikulincer und Phillip Shaver aus dem Jahr 2016 und das Konzept Security Priming, das Aktivieren von Sicherheit. Eine Einladung, die alte Frage nach innen zu richten. Ausblick auf die nächste Folge: Die Angst, die Liebe wieder zu verlieren. Über Eifersucht, über das Verlassen, bevor man verlassen wird, und über das Bild der Wellen der Heilung.
Transkript anzeigen
00:00:03: Herzlich willkommen zurück in meinem Fühlraum.
00:00:06: Mein Name ist Claudia Riedelhammer und ich freue mich sehr, dass du heute wieder hier bist!
00:00:12: Kommen wir da kurz an.
00:00:14: Atme einmal tief ein Und lange wieder ausatmen.
00:00:21: Noch einmal tief Einatmen Und lange Wieder Ausatmen.
00:00:32: Ich bin bei dir.
00:00:34: Heute ist die zweite Folge unserer kleinen Trilogie über die Angst und die Liebe.
00:00:41: In der letzten Folge ging es um das Zurückzucken.
00:00:44: Um die fremde Hand auf der eigenen im Café, um die alten Sätze aus der Kindheit, die sich zwischen uns und den Nähe drängen.
00:00:54: Heute gehen wir eine Schicht tiefer!
00:00:57: Heute geht es um die Angst, die oft gar nicht auffällt weil sie so leise und stetig in uns arbeitet.
00:01:04: Die Angst ist gar nicht wert zu sein geliebt zu werden.
00:01:10: Ich nehme dich wieder an einen Ort mit an den Frühstückstisch einer kleinen Familie, Mama, Papa zwei Kinder.
00:01:20: Morgenlicht der Kaffee dampft in den Tassen Butter frischgepackenes Brot Erdbeermamalade Kinderlachen Eine Zeitung die jemand aufgeschlagen hat.
00:01:33: er sitzt hier gegenüber liest in der Zeitung plättert um und dann hebt er kurz den Kopf und straft dich mit einem Blick Ein Blick, der dir etwas sagen soll.
00:01:47: Der Blick sagt die Kinder sind zu laut.
00:01:50: Ich will in Ruhe meine Zeitung lesen.
00:01:53: Dein Handy piept irgendwo im Hintergrund.
00:01:56: Draußen fährt ein Auto vorbei.
00:01:59: Nichts Besonderes!
00:02:00: Einen ganz normaler Sonntagmorgen Aber in dir beginnt etwas zu arbeiten Ganz leise.
00:02:07: Du merkst es kaum.
00:02:09: Du schaust ihn an und denkst Er ist enttäuscht.
00:02:14: Er ist enttäuscht, weil ich nicht mehr die bin, die er einmal gewohnt hat.
00:02:18: Weil ich es nicht schaffe dass die Kinder leise sind und er in Ruhe seine Zeitung lesen kann.
00:02:24: Weil sich meine Figur verändert hat nach den Schwangerschaften und meine Hautschlaffer geworden ist.
00:02:31: Und du gehst ins Badezimmer und betrachtest dein Gesicht das müde geworden ist Viele Falten bekommen hat.
00:02:39: Und kerst einige Augenblicke später zurück an diesen Frühstückstisch.
00:02:44: Du deutest den Kindern leise zu sein.
00:02:47: Du wartest, du beobachtest wie die Tasse hebt Wie sich seine Mundwinkel bewegen wenn er liest, wie er atmet.
00:02:57: Während du das tust bist du gar nicht mehr an diesem Frühstückstisch!
00:03:01: Du bist bei deinem alten Bild Bei einem alten Satz Ich bin nicht gut genug Halt es in dir.
00:03:12: Da ist sie Die Angst nicht geliebt zu werden Es einfach nicht wert zu sein, geliebt so werden.
00:03:20: Diese Angst zeigt sich meist nicht im Streit.
00:03:23: Sie zeigt sich im Schweigen in den Zwischenräumen – in dem Moment, in dem eigentlich gar nichts passiert!
00:03:31: Vielleicht kennst du diesen Moment?
00:03:33: Vielleicht kennste auch einen
00:03:34: anderen?!
00:03:36: Der Blick des Gegenübers, den Du versuchst zu deuten Das kurze Schweigen nach einer Frage aus dem Du ein Urteil liest das vielleicht gar keines ist.
00:03:47: Wenn dir gerade beim Zuhören jemand einfällt, vor dem du dich so verhalten hast dann bist du damit wirklich nicht allein.
00:03:58: Im Kern dieser Angst liegt eine alte Frage – Bin ich genug wie ich bin?
00:04:04: Bin ich richtig so wie Ich bin oder muss sich erst werden wenn der andere gemeint hat?
00:04:13: Menschen die diese Frage in sich tragen lesen ihre Beziehung von außen nach innen.
00:04:20: sie messen sich an der Reaktion des anderen.
00:04:23: Sie spüren sich selbst am stärksten dann, wenn der andere mit ihnen zufrieden ist.
00:04:29: Und sie verliern sich, wenn die andere schweigt.
00:04:34: Ich möchte dir wieder etwas aus meinem eigenen Leben erzählen, weil ich weiß wir brauchen Geschichten.
00:04:40: Ware Geschichten um zu verstehen!
00:04:51: weg von der Kälte, der Härte und von diesem Gefühl nicht richtig zu sein.
00:05:01: Und ich hatte aus meiner Kindheit in diese Ehe einen Satz mitgenommen, von dem ich damals nicht einmal wusste, dass es ein Satz in mir ist – und der Satz lautete «Du bist nicht liebenswert so wie du bist».
00:05:16: und die Nebensätze kamen in einem Höllentempo hinterher.
00:05:20: Du bist zu laut, zu frech, zu direkt!
00:05:23: Du bist einfach zu viel….
00:05:26: Unter seinem zu viel Kind wurde eine zu viel Frau.
00:05:31: Dieser Satz war nicht laut in mir, er war wie eine Grundmelodie!
00:05:35: Er hat bestimmt, wie ich in diese Ehe gegangen bin?
00:05:38: Ich bin hinein um mich zu beweisen und mich zu verdienen, um mich zurecht zu machen, um zu gefallen.
00:05:46: Und irgendwann habe ich gemerkt dass sich in dieser Beziehung immer kleiner werde.
00:05:51: Meine Stimme wurde leiser meine Meinungen vorsichtiger Mein Lachen reserviert er.
00:05:58: Ich war irgendwann nicht mehr ich, ich war eine Version von mir die versucht hat genug zu sein.
00:06:06: Die Scheidung kam mit dreiundzwanzig Sie war eine Befreiung und sie hat mir gleichzeitig gezeigt wie tief der alte Satz gesessen ist Der alte Schmerz, die alte Wut... ...die alte Verzweiflung.
00:06:21: Denn der Satz ist mit der Scheidungen natürlich nicht verschwunden.
00:06:25: Er war danach immer noch da?
00:06:27: Ich habe ihn mitgenommen.
00:06:30: Die Forschung hat für das, was da in mir gewirkt hat einen klaren Begriff.
00:06:34: Ulrich Orth und Richard Robinson haben aus dem Jahr den großen Übersichtsarbeit beschrieben wie Stabil Selbstwert über die Lebensspanne ist.
00:06:46: Das Selbstwertgefühl schwankt nicht tagesaktuell.
00:06:49: Es hat eine überraschende Kontinuität.
00:06:53: Menschen mit niedrigem Selbstwert tragen ihn oft jahrzehntelmit sich.
00:06:58: Menschen mit stabilen Selbstwert Halten ihn auch durch Krisen.
00:07:03: Das heißt nicht, dass Selbstwert unveränderbar ist!
00:07:06: Es heißt nur, dass er tiefer sitzt als wir oft glauben und daraus folgt ein wirklich unbequemer Gedanke.
00:07:15: Die Angst nicht geliebt zu werden löst sich nicht durch Bestätigung.
00:07:19: Du kannst hundertmal gesagt bekommen das du schön bist.
00:07:23: Wenn in dir der Alte Der Verletzende viel mächtigere Satz klingt hörst du ihn nicht.
00:07:30: Der alte Satz hat quasi Vorfahrt.
00:07:33: Das ist eine schwer auszuhalten der Erkenntnis, sie ist nicht dazu da dich klein zu machen.
00:07:39: Sie ist dazu da um dir zu zeigen dass das Problem nicht im Außen liegt.
00:07:46: Robert Betts Coach und Seminalleiter bringt es in einem seiner Vorträge auf den Punkt Die Liebe die wir als Kind nicht bekommen haben können wir als Erwachsenen nicht mehr von außen einfordern – die Arbeit beginnt in uns selbst.
00:08:01: Es liegt an uns, um selbst lieben zu lernen.
00:08:05: Harte Arbeit!
00:08:06: Ich habe sie geleistet – zwei Jahrzehnte lang mit vielen Rückschlägen und kann dir daher sagen es zahlt sich aus jeder Schritt nach vorne und jeder Schritt wieder zurück.
00:08:18: ich möchte dir jetzt vom zweiten Teil meiner Geschichte erzählen denn nach meiner ersten Scheidung hatte seine Weile gedauert bis ich wieder mutig genug war in eine neue Beziehung zu gehen.
00:08:32: Und als ich es getan habe, habe ich etwas erlebt das ich nicht kannte.
00:08:37: Mein zweiter Mann hat mir über Jahre einen Satz gesagt immer wieder in leichten Momenten, in schweren Momenten nach Streit, nach Fehlern, nach Tagen an denen ich mich selbst kaum ausgehalten habe und der Satz lautete, Claudia es ist völlig egal wie blühtet dich benimmst Es ist.
00:08:59: egal wie du mit mir sprichst Ich werde dich immer lieben.
00:09:03: Meine Liebe zu Dir ist konstant und nicht brechbar.
00:09:08: Ich habe diesen Satz am Anfang nicht glauben können, ich hab ihn sogar gehasst!
00:09:13: Ich habe diesem Satz zum Kotzen gefunden – ich bin in solchen Momenten nur noch wütender geworden, ich wurde noch weniger liebenswert.
00:09:21: Als wollte ich ihn prüfen den Satz und meinen zweiten Mann, als wollte ich beide Absurdung führen.
00:09:31: Ich habe ihn gehört und innerlich gedacht.
00:09:34: das sagt er jetzt
00:09:35: so.".
00:09:36: Irgendwann kippte, irgendwann erkenne wie schrecklich ich wirklich bin.
00:09:41: So absurd es klingt!
00:09:43: Unbewusst habe ich tatsächlich auf den Moment gewartet in dem dieser Satz in ihm nicht mehr gilt.
00:09:50: Doch das Leben hatte etwas anderes mit mir vor.
00:09:54: Georg ist bei diesem Satz geblieben Ja um ja In jeder Phase An jedem guten und an jedem schlechten Tag Und langsam sehr langsam Ist etwas in mir weicher geworden.
00:10:08: An dieser Stelle ist mir etwas wichtig.
00:10:12: Ein konstanter Satz eines anderen Menschen kann der Startschuss auf einem Heilungsweg sein, aber eines muss dir klar sein – nur wenn wir spüren in jeder einzelnen Sekunde für den Menschen, der diesen Satz sagt, ist er wirklich wahr?
00:10:29: Ist er wahrhaftig?
00:10:30: nicht nur so dahingesagt.
00:10:34: Es gibt Menschen die heilen im Coaching Und Coaching ist die konstante Arbeit mit dir selbst und an dir selbst.
00:10:42: Es gibt Menschen, die heilen in Freundschaften und in neuen Erfahrungen mit sich selbst.
00:10:48: Und es gibt Menschen ,die heilen im Partnerschaften.
00:10:52: Was bei mir gewirkt hat muss bei dir nicht wirken.
00:10:55: Damit ist das nicht weniger wert!
00:10:58: Das ist einfach dein Weg und mein Weg.
00:11:03: Die Bindungsforschung hat für das was da langsam passiert einen schönen Begriff.
00:11:08: Mario Mikulinser und Philipp Schäber beschreiben in ihrem Standardwerk Attachment In Adult Hood aus dem Jahr Zwei-Tausendsechzehn das Konzept der Aktivierung von Sicherheit.
00:11:21: Die Idee ist schlicht, wenn ein Mensch über längere Zeit erlebt dass jemand verfügbar verlässlich und wohlwollend bleibt beginnt das alte Bindungsmuster sich zu verändern.
00:11:33: nicht über Nacht Nicht geradlinig aber deutlich spürbar.
00:11:39: Das heißt nicht, dass der alte Satz verschwindet.
00:11:42: Ich höre ihn bis heute In manchen Situationen.
00:11:46: Wenn ich einen Fehler mache Wenn eine Stille nach einem Streit zu lang wird Wenn jemand, der mir am Herzen liegt mich anschaut ohne etwas zu sagen Dann ist er da Der alte Satzu Du bist nicht liebenswert so wie du bist.
00:12:04: Es ist nur Nicht mehr die einzige Stimme in mir.
00:12:07: Daneben steht jetzt eine andere Eine leisere Aber eine, die sich nicht mehr verdrängen lässt.
00:12:13: Sie sagt, so wie du bist, bist du richtig!
00:12:17: So bist du
00:12:17: gedacht!".
00:12:19: In meiner Praxis sehe ich diese Dynamik oft Frauen, die ihren eigenen Wert immer an der Reaktion des anderen messen Die jeden Mimik lesen, die jeden Tonfall deuten, die aus einem Blick eine Beziehung zusammenbauen unter seinem Schweigen eine Trennung.
00:12:36: Wenn ich diese Frauen frage, was sie über sich selbst denken wird es meist still, weil diese Frage nicht geübt ist.
00:12:46: Weil der Blick nach außen über Jahre zur Gewohnheit geworden ist und den Blick nach innen meist gefürchtet wird.
00:12:54: Die Angst nicht geliebt zu werden löst sich nicht allein durch Bestätigung.
00:12:59: Sie löst sie durch Erfahrungen die den alten Satz infrage stellen.
00:13:04: Doch Menschen die verlässlich bleiben Durch eigene Arbeit, durch Coaching, durch Zeit Sie löst sich selten vollständig, aber sie verliert ihre Macht.
00:13:17: Ich möchte dich einladen heute eine Frage mitzunehmen aus dieser Folge Wenn du jetzt gerade an einen Menschen denkst der dir nahe ist Gibt es eine Situation in der du aus seiner Mimik ablesen möchtest ob du genug bist?
00:13:37: Wenn ja dann bleib kurz dort In diese Situation.
00:13:43: Spür wo das in deinem Körper sitzt... ...in deinem Bauch In deinem Brustkorb, in deinem Kiefer, in deinen Schultern.
00:14:01: Und dann nur für einen Moment stell dir vor du würdest die Antwort nicht bei ihm suchen sondern bei dir selbst.
00:14:10: Bin ich genug?
00:14:13: Bin ich richtig so wie ich bin?
00:14:16: Bin Ich es wert ehrlich und wahrhaftig geliebt zu werden Wenn dir diese Übung gerade schwer fällt wenn da keine Antwort kommt in dir oder gar ein Nein.
00:14:31: Oder wenn es still wird in dir, dann ist das kein Versagen!
00:14:38: Denn das ist der Moment an dem deine innere Arbeit beginnt.
00:14:42: Bitte störe dich nicht an den Begriff Innere Arbeit – denn das ist es nun einmal.
00:14:49: Persönlichkeitsentwicklung ist Arbeit mit vielen Arbeitsschritten.
00:14:56: Manche Schritte fallen leicht, manche scheinen logisch, Eines ist sicher, jeder deiner Schritte am Weg zu dir selbst macht Sinn.
00:15:13: Das verspreche ich dir an dieser Stelle.
00:15:17: Im dritten und letzten Teil unserer Trilogie wird es um die Angst gehen, die übrig bleibt wenn die ersten beiden leiser werden Um die Angst die Liebe wieder zu verlieren Darum warum manchen Menschen gehen bevor sie verlassen werden Und darum was passiert wenn Verlust wirklich da ist.
00:15:40: Bis dahin trage ich Dich, so wie Du heute hier warst.
00:15:45: Mit Deiner Stille, mit Deinen Fragen, mit deinen Gefühlen – mit allem was in Dir gerade noch nachklingt.
00:15:56: Danke, dass Du heute wieder hier war, mit mir!
00:15:59: In meinem Füllraum.
Neuer Kommentar